Zeit heilt alle Wunden

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Eva Balog

Eva Balog kam am 30. März 1926 in Sombor (Serbien) zur Welt. Ihre Eltern waren Juden, erzogen die einzige Tochter aber nur wenig religiös und überließen ihr alle Entscheidungen über ihre eigene Gläubigkeit. Das Kind aus gutbürgerlichen Verhältnissen besuchte zunächst in Sombor die Grundschule und im Anschluss acht Jahre lang das Gymnasium, das sie im März 1944 wegen der antijüdischen Gesetze verlassen musste. Nach der Besetzung Jugoslawiens durch die Deutschen wurden die ungarischen Juden deportiert.

KZ-Haft

Nachdem der Vater bereits Anfang April 1944 verhaftet wurde, mussten Eva und ihre Mutter nur einige Tage später, am 26. April 1944, in das Ghetto Sombor übersiedeln. Am nächsten Tag wurden sie in die Stadt Baja, nördlich von Sombor transportiert, um von dort aus wenige Tage später auf Viehwaggons verladen und weggeschafft zu werden. Die Fahrt endete am 2. Mai im KZ Auschwitz-Birkenau. Evas Mutter wurde dort wegen einer kleinen Wunde am Bein selektiert und in der Gaskamker ermordet.

Im Spätherbst begann die SS arbeitsfähige Häftlinge in Konzentrationslager im Westen zu deportieren, da die Rote Armee von Osten näher rückte. Auch Eva Balog kam Anfang November in einen Transport, der in das völlig überfüllte KZ Bergen-Belsen führte. Mitte Dezember wurden die Freundinnen mit etwa 600 Frauen in das KZ-Außenlager SS-Reitschule bei Braunschweig überstellt. Die Frauen mussten in der Stadt Trümmer- und Schneeräumen, so dass sie mitten in der Zivilgesellschaft arbeiteten.

Eva wurde immer schwächer. Im Februar 1945 kam sie mit vielen weiteren kranken und nicht mehr arbeitsfähigen Häftlingen in das KZ-Außenlager Watenstedt/Leinde. Eva rechnete mit dem schlimmsten. Dort war Eva ausschließlich im Krankenrevier untergebracht.

Am 7./8. April 1945 räumte die SS das KZ-Außenlager Watenstedt/Leinde.

Nach etwa einer Woche erreichte der Zug das KZ Ravensbrück. Nach zwei Wochen ging es für die Marschfähigen mit unbekanntem Ziel zu Fuß weiter. Am 1. Mai erreichten die erschöpften Häftlinge das KZ Malchow, dort wurden sie am folgenden Tag von der Roten Armee befreit.

Rückkehr

Am 12. August 1945 kehrte Eva Balog nach Sombor zurück. Dort traf sie ihren Vater wieder.

Eva-Balog-1998

Eva Balog, 1998 in Salzgitter

1949 heiratete die junge Frau den Studenten Nikola Timar. Der Wunsch nach einer eigenen Familie erfüllte sich 1956 mit der Geburt der Tochter Lidija und acht Jahre später mit dem Sohn Aleksander. Eva sprach mit ihrer Familie selten über ihre Erinnerungen. Erst im Rentenalter begann sie die Erlebnisse intensiv aufzuarbeiten.

Nach ihrem ersten Besuch in Salzgitter, im April 1996, hielt Eva intensiven Kontakt mit dem Arbeitskreis Stadtgeschichte e. V., meistens per E-Mail. Bis zu ihrem Tod am 4. Juli 2008 war sie stets an der Arbeit der Gedenkstätte und besonders an neuen Formen des Erinnerns interessiert.

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