Zeit heilt alle Wunden

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VLOG: Der zweite Tag

Auch am Dienstag, den 12.04.2016 starteten wir mit einem Gespräch in den Tag, aber hauptsächlich, weil die Zeitung über den Besuch der Töchter von ehemalige  KZ-Häftlingen berichten wollte.

Zu Beginn erzählt Lydia von ihrer Mutter. Sie hatte den Drang über ihre Erlebnisse im KZ zu berichten. Ihr half es über alles zu reden, um ihre Wunden zu heilen. Eva Timar gab viele Interviews und forschte auch selber nach Berichten über Konzentrationslager. Außerdem besuchte sie viele Gedenkstunden von Konzentrationslagern.

Mit ihren Kindern sprach Frau Timar jedoch nicht viel über die Ereignisse. Erst als Lydia alt genug war, stellte sie ihrer Mutter gezielt Fragen. Ihre Mutter beantwortete diese auch, jedoch erzählte sie nicht die grausamen Erlebnisse, um ihre Tochter zu schützen.

Als Frau Timar ein Interview für die USC Shoah Foundation, die von Steven Spielberg initiiert wurde, war die erste Frage an was sie sich noch vor dem Krieg erinnern kann. Frau Timar antwortet, dass sie noch immer den Geruch der Sonntagssuppe in der Nase hat. Auf einmal standen ihr Tränen in den Augen. Der Gedanke an die Sonntagssupe legte einen Schalter um und auf einmal kam alles an Emotionen hoch, was sich angesammelt hatte. Auch für Lydia ist das sehr bewegend. Sie hatte Gänsehaut beim Erzählen.

Worüber Lydias Mutter jedoch nicht sprach, war der Tod der Mutter, also Lydias Großmutter. Im KZ Auschwitz wurde Evas Mutter selektiert und starb in den Gaskammern. Und das nur wegen einer kleinen Wunde am Bein. Von dieser Tatsache erzählte Eva in allen Interviews nur sehr kurz, was zeigt, dass sie den Tod ihrer eigenen Mutter nie verkraften  und verarbeiten konnte.

Lydia erzählt auch die Geschichte der Brosche Piroschka Ofners. Sie war die Mutter einer Freundin von Eva.  Als Eva in das KZ Watenstedt/Leinde deportiert wurde, starb Piroschka, die bis dahin für Eva Timar wie eine Mutter gewesen ist. Als Andenken hat sie die Brosche von Piroschka erhalten und Eva wiederum gab die Brosche an Lydia weiter.

 

Am Mahnmal des KZ Watenstedt/Leinde fragte ich Lydia und Angie wie es für sie sei an dem Ort zu stehen an dem  ihre Mütter inhaftiert waren. Beide sind sich einig, dass dies eine unglaubliche Erfahrung sei. Die Mütter wären sehr stolz und glücklich darüber, dass ihre Töchter ihren Weg nachempfinden können. Dort zu stehen macht alles wahrhaftig. Es braucht außerdem keine sichtbaren Dinge, um an das Grauen und Leiden im Konzentrationslager zu erinnern. Das alles darf nicht in Vergessenheit geraten und es ist unsere Aufgabe ständig daran zu erinnern.

 

Am Ende sagen Angie und Lydia noch einmal, dass es keine einfache Reise nach Deutschland war. Sie schulden ihren Müttern jedoch an den Orten gewesen zu sein, an denen sie so viel Leid erfahren haben…

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